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ArchitekTour Wien

ArchitekTour entlang der U1

u1 plan
© Wienerlinien

Unsere ArchitekTour führt zu faszinierenden Betonbauten in Wien: Gebäude mit einer langen Tradition und Geschichte, hochmoderne Bürotürme und kulturelle Highlights. Entlang der U-Bahn-Linie U1 gibt es einiges an abwechslungsreicher Architektur zu entdecken – kommen Sie mit auf unsere ArchitekTour von Favoriten über die Innenstadt bis über die Donau:
Die U-Bahn-Linie U1 hat bei einer derzeitigen Streckenlänge von rund 15 km 19 Stationen und stellt als Nord-Süd-Verbindung die am stärksten genutzte Linie des Wiener U-Bahn-Netzes dar. Sie war der erste U-Bahn-Streckenneubau in Österreich. Der Spatenstich für den Bau der U1 erfolgte am 3. November 1969 am Karlsplatz, 1978 wurde das erste Teilstück eröffnet. Seit September 2006 fährt die U1 vom Reumannplatz bis Leopoldau. Die U1 gehört mit dem Bau der UNO-City und der Donauinsel zu den Großprojekten, die Wien in den späten 1970er Jahren und den frühen 1980er Jahren am stärksten veränderten. Nach dem Ende der U-Bahn-Bauarbeiten wurden über den Tunnels in Favoriten und über der Kärntner Straße im 1. Bezirk die ersten Wiener Fußgängerzonen eröffnet. Die Mitte der achtziger Jahre fertiggestellte Donauinsel mit der Neuen Donau wurde vom Stadtzentrum aus in wenigen Minuten erreichbar.

Die Tour dauert ca. 3 Stunden, wir haben für Sie alle Stationen in einem kleinen "Reiseführer" zusammengefasst: pdfArchitekTour entlang der U11.73 MB

Reumannplatz – Amalienbad
(Reumannplatz 23, 1100 Wien)

Amalienbad
Amalienbad
Amalienbad

Das Amalienbad gilt als eines der schönsten Baudenkmäler des Roten Wien und wurde nach der sozialdemokratischen Gemeinderätin Amalie Pölzer benannt. Die Badeanstalt wurde in den Jahren 1923 bis 1926 nach Plänen der Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nadel erbaut und zählte bei der Eröffnung zu den größten Bädern Europas (Platz für rund 1.300 Besucher). In architektonischer Hinsicht war das Bad an den Grundrissen römischer Thermen angelehnt. Der freistehende, symmetrische Monumentalbau setzte klare Akzente im Stadtbild um den Reumannplatz. Funktionalismus und Jugendstil prägten den kubischen Bau, der mit seinen gestaffelten, verschieden hohen Baukörpern die innere Raumordnung und den Zweck der Anlage widerspiegelt. Die Aktfiguren des Bildhauers Karl Stemolak an der Fassade des Bades verwiesen auch auf die Körperpflege. Die elegante Innenausstattung erfolgte im Art-Déco-Stil. Am deutlichsten sieht man das bei den bunten, so praktischen wie ästhetisch ansprechenden Mosaiken im Hauptbecken, in der Sauna und im Foyer. Die Schwimmhalle besaß neben Tribünen auch ein bewegliches Glasdach, das man in nur wenigen Minuten öffnen konnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad schwer beschädigt, doch zur weiteren Benützung wieder instandgesetzt. Dabei gingen leider einige wertvolle architektonische Elemente verloren. In den Jahren 1979 bis 1986 führten Erich Millbacher und Erich Schlöss eine umfangreiche Generalsanierung durch, wobei auf die Bewahrung historischer Teile großer Wert gelegt wurde. Der 10m hohe Sprungturm aus Stahlbeton wurde neu gebaut, das öffenbare Glasdach wurde fix verschlossen. Infos unter: www.wien.gv.at

Keplerplatz – Domenig-Haus
(Favoritenstraße 118, 1100 Wien)

Domenig-Haus
   Domenig-Haus

Das auffallende Stahlbetongebäude wurde in den Jahren 1975 bis 1979 von Günther Domenig im Auftrag der Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien als Bankgebäude und Kulturhaus erbaut und ist der bedeutendste Bau der "Grazer Schule".  Aufgrund des ungewöhnlichen Aussehens löste das "Haus mit dem Knick" anfangs heftige Diskussionen aus. Die mehrfach gewölbte, vorgesetzte selbsttragende Fassade besteht aus Edelstahlplatten und charakterisiert eine eindrucksvoll, dynamisch-räumliche Linienführung. Auch im Inneren sind selten gerade Linien zu finden, viele Details sind nicht geplant, sondern wurden an Ort und Stelle improvisiert. Domenig selbst bezeichnete den Bau als Schlüsselbau für seine Architektur. Heute beherbergt das Domenig-Haus unter anderem das Echo Medienhaus und eine Galerie für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Es steht unter Denkmalschutz und wird oft als eines der bemerkenswertesten Beispiele zeitgenössischer Architektur in Österreich genannt.

Karlsplatz – Generali Foundation
(Wiedner Hauptstraße 15, 1040 Wien)

Generali Foundation Generali Foundation
   Generali Foundation

Das 1995 eröffnete Gebäude der Generali Foundation, einem gemeinnützigen Kunstverein, befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Hutmanufaktur Habig. Im Kern der historischen Substanz ist ein moderner Bau, ein Museum für zeitgenössische Kunst entstanden, das sowohl den ästhetischen als auch den technischen Anforderungen des aktuellen Ausstellungs- und Museumsbetriebes entspricht. Während für die Architektur Christian Jabornegg und András Pálffy gemeinsam mit Georg Schönfeld verantwortlich sind, stammt die Innenraumplanung allein von Jabornegg & Pálffy. Der wesentliche bauliche Eingriff besteht aus einem linearen konstruktiven Element, das neue statische Lasten ableitet. Im ehemaligen Fabrikspeicher wurde die Mittelmauer über sieben Geschoße durch eine neue Primärstruktur ersetzt. Diese nimmt die Lasten der Geschoßdecken auf, die mit verkürzter Spannweite den neuen statischen Anforderungen entsprechen. Sämtliche neuen, statisch erforderlichen Elemente sind scharfkantig in Beton ausgeführt. Eine 30 Meter lange, schräge Sichtbetonwand unterteilt den Ausstellungsraum, der - wenn auch zurückgenommen - auf den Eklektizismus der Postmoderne anspielt. Der asymmetrische Grundriss sowie raumdominierende Elemente bestimmen das Ausstellungsdisplay. Die Belichtung erfolgt über die einzig neue Fassade, das Glasdach, das mit einem Lamellensystem ausgestattet ist, damit kein direktes Südlicht einfallen kann. In den Obergeschoßen sind die Verwaltungsräume und ein Studiensaal untergebracht, die man über eine neue, sehenswerte Treppe erreicht. Von der Straße aus sieht man nur das alte Geschäft der ehemaligen Hutfabrik, zu den modernen Ausstellungsräumen gelangt man über den gründerzeitlichen Hauseingang. Infos unter: foundation.generali.at

Stephansplatz – Haas Haus
(Stephansplatz 4, 1010 Wien)

Haas Haus Haas Haus
 Haas Haus
 

Das erste moderne Gebäude an dieser Stelle war das Teppichhaus "Philipp Haas & Söhne", ein prunkvoller Bau in Eisenständer-Bauweise. Es wurde 1866 bis 1867 im Stil des Historismus errichtet und war das erste große Warenhaus in Wien. Architekten des Bauwerks waren August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört, der Neubau wurde von 1951 bis 1953 nach Plänen von Carl Appel und Max Fellerer errichtet. Von 1985 bis 1990 wurde das Gebäude der Nachkriegszeit durch einen "Konsumtempel der Postmoderne" ersetzt. Die äußere Form erinnert an die Eckrundung eines römischen Castrums, der abgerundete Erker mit Spiegelglasfassade ist ein hervorstechender Kontrast zu den umliegenden Altbauten. Eine flache Glaskuppel überspannt den konisch sich nach oben öffnenden Innenraum. Architekt Hans Hollein, Österreichs einziger Träger des renommierten Pritzker-Architekturpreises und ein Weltstar der Architektur, setzte mit seinem Bauwerk einen enormen städtebaulichen Akzent und löste damit die wohl heftigste Architekturdebatte der Nachkriegszeit aus. Hollein hat am wohl prominentesten Bauplatz Wiens etwas bis dato Beispielloses geschafft: Im Herzen der Stadt, mitten in historischer Bausubstanz, steht ein zeitgenössisches Bauwerk, in dessen markant gerundeter verspiegelter Fassade das Wiener Wahrzeichen, der "Steffl", gebrochen reflektiert wird. Hans Hollein war ein Visionär, der mit seinen Ideen in den 1960er-Jahren dem Funktionalismus der Nachkriegsmoderne Paroli bot und vielleicht damals schon den Grundstein für ein neues Bewusstsein in der Baukunst legte.

Stephansplatz - Zacherlhaus
(Brandstätte, 1010 Wien)

Zacherlhaus
Zacherlhaus

Entworfen vom slowenischen Architekten und Otto-Wagner-Schüler Josef Plečnik, der bis 1913 vorwiegend in Wien wirkte, wurde das Wohn- und Geschäftsgebäude von 1903 bis 1905 errichtet. Das Besondere an dem Projekt war die Ausführung der Ständerbauweise in armiertem Beton.  Durch die rasterförmige Anordnung der Stützpfeiler und die keilförmig eingeschobene elliptische Treppenanlage wurde das unregelmäßige Grundstück sehr effizient ausgenutzt. Für die Fassade wählte Plečnik graue, polierte Granitplatten, die dem Haus einen archaisch-monumentalen Charakter verleihen. Bemerkenswert ist auch das kunstvoll gestaltete, auskragende Dachgesims. Die Figur an der Fassade, den Erzengel Michael darstellend, schuf Ferdinand Andri, die Atlanten stammen von Franz Metzner. Im ovalen Stiegenhaus gibt es einen insektenartigen Beleuchtungskörper, der dem durch Ungeziefervertilgungsmittel reich gewordenen Bauherrn (Zacherlfabrik) ein bauplastisches Denkmal setzt. 1949 wurden an dem im Zweiten Weltkrieg beschädigten Haus Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen. Das denkmalgeschützte Bauwerk dient heute als Bürogebäude und zählt zu den bedeutendsten Bauten der Otto-Wagner-Schule.

 

Schwedenplatz – Marienbrücke

Marienbrücke
   Marienbrücke

Bereits im Mittelalter gab es Pläne für eine Verbindung der Innenstadt mit dem 2. Bezirk über den Donauarm. Anfang des 20. Jahrhunderts beteiligte sich der Architekt Otto Wagner mit dem Projekt "Vindobonabrücke" an einem Wettbewerb zur Errichtung der heute als Marienbrücke bekannten Donaukanalbrücke. Verwirklicht wurde ein anderes Projekt: Zwischen 1905 und 1906 wurde die Marienbrücke als Stabbogenbrücke nach Plänen von Josef Hackhofer und H. Pecha realisiert. Namensgebend war die auf der Brüstung in Brückenmitte aufgestellte Marienstatue, eine Jugendstilskulptur von Hans Schwathe. Im Frühjahr 1945 wurde die Brücke samt Marienstatue zerstört. Nach Plänen von Karl Jäger und unter künstlerischer Beratung von Adolf Hoch wurde die Marienbrücke als erste große Stahlbetonbrücke im Raum Wien von 1951 bis 1953 errichtet. Die neue Brücke ist um fünf Meter breiter als das Vorgängerbauwerk mit einem Zweigelenkrahmen in Stahlbetonbauweise mit beidseitigen Kragarmen über den Vorkais. Da nur Längenänderungen aus Schwinden und etwaigen Temperaturveränderungen zu erwarten waren, fand man mit Betongelenken das Auslangen. Die alten Caissons mussten erhalten bleiben. Der freie Durchblick durch das Tragwerk blieb ebenfalls erhalten. Seit 1983 wacht eine Nachbildung der Marienstatue von Oskar Thiede über der Brücke. Fünf Jahre später wurde Papst Johannes Paul II. bei seinem Wienbesuch auf der Marienbrücke empfangen.

Schwedenplatz – Raiffeisenhaus-Zubau
(Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1 bzw. Obere Donaustraße 87-89, 1020 Wien)

Raiffeisen-Zubau
Raiffeisen-Zubau

Die neue, knapp 80 Meter hohe Konzernzentrale der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien am Wiener Donaukanal ist das weltweit erste Passivbürohochhaus und gilt als Meilenstein für Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Der Entwurf für das Gebäudekonzept mit Photovoltaik, Kühlung über das Donaukanalwasser, Erdwärmenutzung (Geothermie), Bauteilaktivierung, Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung mittels Biogas sowie einer Klimafassade stammt von den Architekten Dieter Hayde und Ernst Maurer in Zusammenarbeit mit Vasko+Partner. Der Bau war eine Herausforderung, da der Bauplatz extrem eng war. Während in den Obergeschoßen der Rohbau hochgezogen wurde, kam es in den darunterliegenden Geschoßen bereits zum Innenausbau - diese Bauweise sparte Baukosten und rund ein Jahr Bauzeit.  Die Bodenplatte mit einer Stärke von 120 bis 210 Zentimeter wurde als "Weiße Wanne" aus wasserundurchlässigem Beton errichtet, darunter wurden rund 40.000 Meter lange Geothermie-Leitungen verlegt. Auf den rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche arbeiten nun an die 900 Mitarbeiter in hochwertigen Büros mit Wohlfühlklima. Mit den Gesamtbaukosten von rund 80 Millionen Euro ist das Hochhaus um zirka 4,6 Millionen Euro teurer als ein vergleichbares Hochhaus. Die Mehrkosten für die Energieeffizienz sollen sich in 14 Jahren amortisieren. Im Foyer des Gebäudes werden Energieflüsse multimedial in Echtzeit dargestellt. Optisch ist das Gebäude ein Glaskubus – das Geheimnis liegt hinter der verspiegelten Fassade: Massive Betonelemente sorgen für die notwendige Speichermasse und gleichen Klimatisierungsschwankungen aus. Bei einem abendlichen Spaziergang entlang des Donaukanals lässt die Fassadenbeleuchtung das Raiffeisenklimaschutzhochhaus schon von der Ferne leuchten.

Kaisermühlen V.I.C. – DC Tower
(Donau-City-Straße 1, 1220 Wien)

Der DC Tower 1 in Wien ist in vielerlei Hinsicht überragend: Der höchste Büroturm des Landes erfüllt die "Green-Building"-Standards und glänzt mit innovativen Technologien wie Bauteilaktivierung. Wien hat mit

DC Tower DC Tower
   DC Tower

dem 250 m hohen, multifunktionalen Gebäude, das auf 60 Stockwerken viele Funktionen und unterschiedliche Nutzungen in urbaner Qualität zulässt, eine neue Landmark. Der französische Architekt Dominique Perrault hat den Auftrag als Chance genutzt, ein "Eingangstor zur Donau City" zu kreieren. Er sieht seinen Entwurf als "ein Investment in die Zukunft der Stadt". Im Februar 2014 wurde der schwarz funkelnde Turm mit dem charakteristischen "Knick" in der Fassade nach drei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet. Die Faltenbildung der Fassade verleiht dem Turm einen fließenden, immateriellen Charakter und eine Modellierbarkeit, die ihn jederzeit auf eine Lichtsituation, eine Spiegelung oder ein besonderes Ereignis reagieren lässt. Die Innenräume sollen genau das Gegenteil bewirken: Das Betonskelett wird zur Schau gestellt und kann berührt werden, dadurch werden die Räume sehr stark physisch spürbar und präsent. Die Verankerung des DC Tower 1 war von zentraler Bedeutung und dementsprechend spannend. Am Fundament wurde fünf Tage lang durchgängig gearbeitet, rund 12.000 Kubikmeter Beton wurden eingebracht. Höchste Aufmerksamkeit hat man auch dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Dank ausgeklügelter Haustechnik (Bauteilaktivierung in allen Geschoßdecken) ist mit geringen Betriebskosten und niedrigem Energieverbrauch zu rechnen. Das Restaurant im 57. Stock bietet mit einem 360-Grad-Rundumblick vom Wienerwald bis Bratislava ein wörtliches Highlight.

Kaisermühlen V.I.C. – Donauturm
(Donaupark, 1220 Wien)

Donauturm
Donauturm

Der Donauturm wurde von 1962 bis 1964 anlässlich der Wiener Internationalen Gartenschau in der sogenannten "Turmbauweise" inmitten des Donauparks errichtet. Architekt Hannes Lintl lieferte den Entwurf, Ingenieur Robert Krapfenbauer führte die statischen Nachweise. Bei der Eröffnung war das 252 Meter hohe Turmbauwerk Europas höchster Stahlbetonturm und Österreichs erster Hochbau, der in gerüstfreier Gleitschalungstechnik gebaut wurde. Das Gesamtgewicht von Turmschaft mit Turmkorb und Fundament mit Erdauflast beträgt rund 17.000 Tonnen. Der Stahlbetonturm besteht aus 3750 Kubikmetern Beton und 514 Tonnen Betonstahl. Das Fundament ist in acht Metern Tiefe gegründet. Das beliebte Ausflugsziel ist mit der Zeit zu einem Wahrzeichen Wiens und einer international bekannten Touristenattraktion geworden. Bei guten Sichtverhältnissen hat man einen bis zu 80 Kilometer weiten Fernblick über die Stadt und deren Umgebung. Über zwei Aufzüge gelangt man zu den Aussichtsterrassen. Seit 2001 gibt es eine Bungee-Jumping-Plattform (Absprunghöhe: 152 Meter). Der Turm beherbergt außerdem ein Restaurant und ein Café. Wem das alles zu hoch ist, der kann sich ein gemütliches Plätzchen im Park suchen und Österreichs höchstes Bauwerk von unten bestaunen. Infos unter: www.donauturm.at