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Brückenstadt Wien – neuer Steg mit Naherholung

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10. Concrete Student Trophy forderte heraus

Am 26. November 2015 wurden im Kuppelsaal der TU Wien die Preisträger der Concrete Student Trophy 2015 geehrt. Die heiß begehrte Trophäe mit einer Siegerprämie von 4.000 Euro für den ersten Platz gingen an Christopher Emil Kreminger und Dominic Mimlich (Architektur) sowie ihren Kommilitonen Nikola Markunovic (Bauingenieurwesen) für ihr Projekt "Birnerschweb". Die Teams der Einreichungen "BOU" und "na thései" teilen sich den 2. Platz mit jeweils 3.000 Euro Preisgeld. Dazu wurden zwei Anerkennungen mit je 1.000 Euro verliehen. Insgesamt wurden Preisgelder von 12.000 Euro vergeben. 

Zum zehnjährigen Jubiläum der Concrete Student Trophy war ein für Studenten besonders schwierig zu gestaltendes Projekt ausgeschrieben. Einerseits wurde der Entwurf einer Wiener Brücke im landschaftlichen Kontext und andererseits die interdisziplinäre Zusammenarbeit angehender Architekten und Bauingenieure gefordert. Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ): "Große Innovationen und wichtige Durchbrüche gelingen oft nur, wenn Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen ihr Fachwissen untereinander austauschen und ihre Erfahrungen gegenseitig nutzen."

Wettbewerbsaufgabe

Die Wettbewerbsaufgabe war ein Neuentwurf des Birnerstegs in einem Naherholungsgebiet im 21. Wiener Gemeindebezirk. Für OStBR DI Peter Spandl, MA 29 – Brückenbau und Grundbau, ist der Birnersteg ein traditionelles Stück Wien, das eine bessere Erschließung zu anderen Teilen des Bezirkes ermöglicht. "Wir wollen eine Erneuerung auf aktuellen Grundlagen. Mehr Benutzerfreundlichkeit, Einbindung von Freizeit und Kultur, auch Schiffe sollen andocken können." Die Entwürfe seien, so Spandl, gut geglückt und vielleicht gelinge auch diesmal wieder eine Umsetzung in die Praxis.

Erster Platz für TU Wien und "Birnerschweb" – pragmatisch, einfach, aber elegant 

Die TU Wien Studenten Nikola Markunovic (Bauingenierwesen), Christopher Emil Kreminger und Dominic Mimlich (Architektur) kennen einander bereits seit ihrer Ausbildung an der HTL, die alle drei vor Beginn ihres Studiums besuchten. Die Uferzonen nutzen differierendes Material, um unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten zu schaffen und stehen im Einklang mit der Brücke. Je nach Tageszeit und Lichteinfall sollen besondere Eindrücke geweckt werden. Das Konzept sieht eine Integration des vorhandenen Baumbestands vor und spielt mit einladenden Parksituationen, Aufenthaltszonen am Wasser und Uferpromenaden mit direktem Wasserzugang. Mit den gezielt gesetzten Zonen inszenieren die Sieger der Concrete Student Trophy 2015 den Weg zwischen Arbeiterstrandbadstraße und An der oberen Alten Donau als ein pragmatisch und ökonomisch gestaltetes Naherholungsgebiet für die Wiener. "Die Kommunikation mit dem bestehenden Gasthaus Birner, dessen Eissalon und Gastgarten ist ein wichtiger Punkt", argumentieren die Preisträger ihren Entwurf. Die Brücke entwickelt sich aus dem konstruktiv gestalteten Südteil zu einer leichten, nahezu schwebenden Platte, die im Norden am Niveau der Parklandschaft andockt. Mit maximal vier Prozent Steigung sowie durchgehenden, mindestens fünf Metern Breite bietet die barrierefreie Brücke genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer. Die Jurybegründung unter Vorsitz von Arch. Univ.-Prof. DI Bettina Götz: "Das Konzept ist als pragmatisch, einfach und doch elegant, gut durchdacht und nachweislich nachhaltig umsetzbar zu bezeichnen, man könnte morgen anfangen zu bauen."

Zweiter Platz für TU Wien und "BOU"- Herzstück Birnerbrücke

Mit einer Bogenbrücke aus Beton, die eine Spannweite von 55 Metern und 15,75 Metern Bogenhöhe aufweist, beeindruckte das TU Wien Team: Nora Hammelmann, Philippe Jans (Architektur) und Kolo Fischbach (Bauingenieurwesen). Technisch sehr innovativ, ist die Birnerbrücke in ihrem Konzept das Herzstück des Naturareals Alte Donau. Die ästhetische Form des Betonbogens und die leicht wirkende Bodenplatte fügen sich dezent in die Landschaft ein. Die Jury goutierte besonders die Singularität der Brücke, die auch ohne Gestaltung des Umfeldes umsetzbar sei. Betörend sei auch die Schlankheit des Tragwerks, die aber bautechnisch noch Optimierungspotenzial habe, so die Bewertung der Jury. Mit sieben Metern Fahrbahnbreite und nur drei Prozent Neigung bietet die Brücke genügend Platz zur freien Bewegung für Fußgänger und Radfahrer. Um die Geschwindigkeit der Radfahrer zu reduzieren, wurden am Anfang und Ende der Brücke Kurvenelemente eingeplant. Die Beleuchtung befindet sich an der Unterseite des Bogens. Damit wird bei Dunkelheit eine Spiegelung am Wasser erzeugt und der Brückenbogen auch noch aus weiterer Entfernung erlebt.

Zweiter Platz für TU Graz und "na thései" – innovativ und ganzheitlich

Dem TU Graz Team Jakob Gigler, Sebastian Reiter, Markus Kaindlstorfer (Architektur) und Maximilian Rieger (Bauingenieurwesen) gelang "ein Projekt mit dem konzeptionell innovativsten und ganzheitlichsten Ansatz", so die Jurybegründung zum weiteren zweiten Platz. Der Landschaftsraum wird mit durchgehender Gestaltung von hoher Aufenthaltsqualität erschlossen und unterscheidet nicht zwischen "Brücke" und "Landschaft". Am Brückentragwerk sind Sitzgelegenheiten mit Blick auf das Wasser vorgesehen. Orte mit Bademöglichkeit und erlebbare Ufer definieren die Umgebung neu. Allerdings "eine mögliche Umsetzung wird nur dann als sinnvoll gesehen, wenn die Brücke gemeinsam mit dem Umfeld zur Ausführung kommt", so die Jury. 
Die Brücke ist als 80 Meter weit spannender Einfeldträger mit auf Federn gelagerten Kragarmen an beiden Enden geplant. Die Umsetzung des Brückentragwerks wird von der Jury als technisch schwierig beurteilt.

Anerkennungen für "Birnerwelle" und "Birner Angelibad"

Mit Anerkennungspreisen wurden zwei Projekte der TU Wien ausgezeichnet: "Birnerwelle" (Architektur: Jurica Kos, Bauingenieurwesen: Viktoriya Mihaylova) sowie "Birner Angelibad" (Architektur: Thomas Böck und Coletta Buhl, Bauingenieurwesen: Rudolf Höfler).

10 Jahre Förderung interdisziplinären Arbeitens

Zehn Jahre Concrete Student Trophy bestätigen Sebastian Spaun, dass mit der Grundlage interdisziplinären Arbeitens ein zukunftsweisender Weg beschritten wurde. Univ. Professor Arch. DI Christoph Achammer, war von Beginn an von der Idee und Stiftung des Preises begeistert. "Interdisziplinarität führt zum Ablegen von Scheuklappen, ist eine harte und mühsame Übung, die aber Spaß macht", so Achammer. Ein gravierender Veränderungsprozess bringe Interdisziplinarität und Kommunikation in den Mittelpunkt der Entwicklung von Planen und Bauen, ist Achammer überzeugt.

Projekte von der Theorie in die Praxis

Bisher wurden bereits eine Fußgängerbrücke über den Wienfluss, eine Schwimminsel an der Neuen Donau und eine innovative Grill-Lounge für die Donauinsel, die aus einem gesonderten Studentenwettbewerb hervorging, umgesetzt. Es treten ausschließlich interdisziplinäre Arbeitsteams, bestehend aus mindestens je einem Architekten und einem Bauingenieur, in einem Entwurfswettbewerb gegeneinander an. Eingereicht werden können interdisziplinäre Seminararbeiten, Projektarbeiten bzw. Entwürfe, die der Themenstellung entsprechen. Die Arbeiten müssen im Rahmen einer Lehrveranstaltung abgegeben und für das Studium positiv bewertet bzw. benotet worden sein. 

Träger der Concrete Student Trophy

Die Concrete Student Trophy 2015 wird von einer Interessensgemeinschaft aus der HABAU Hoch- und Tiefbaugesellschaft m.b.H., der PORR GesmbH und der STRABAG AG, der iC consulenten Ziviltechniker GesmbH, der Stadt Wien, MA 29 – Brückenbau und Grundbau, der DOKA GmbH, dem Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB), dem Güteverband Transportbeton (GVTB) und der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), unter der fachlichen Begleitung der TU Wien und der TU Graz, getragen.