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Inspirationen für Österreichs neue Bahnhöfe

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Sieger Concrete Student Trophy 2014 gekürt

Die eingereichten Projekte zum Wettbewerb "Concrete Student Trophy 2014" lieferten großartige Inspirationen für die geplanten Neubauten regionaler ÖBB-Bahnhöfe. Am 25. November wurden an der TU Wien die Sieger des interdisziplinären Studentenbewerbs gekürt. Christian Szalay (Architektur) und sein Kommilitone Bernhard Ramsauer (Bauingenieur), beide an der TU Wien, erhielten für ihr Projekt "inside out" den 1. Platz und eine Siegerprämie von 4.000 Euro. Die Projekte "Zukunftsbahnhof Münchendorf" und "concrete waves" folgten auf den Plätzen zwei und drei. Dazu wurden vier Auszeichnungen verliehen. Insgesamt wurden Preisgelder von 13.000 Euro vergeben.

Gefordert war ein fiktiver Neuentwurf eines ÖBB-Bahnhofs anhand der realen Situation der Pendlergemeinde Münchendorf (NÖ). Unter Einbindung innovativer Lösungen für Inselbahnsteig sowie Bahnhofvorplatz wurde eine Mobilitätsschnittstelle kreiert und geplant. Die Concrete Student Trophy wurde bereits zum neunten Mal durchgeführt und wird an interdisziplinäre Nachwuchstalente aus Bauingenieurwesen und Architektur vergeben.

Erster Platz: "inside out" – Bahnhof, integraler Bestandteil des Ortes

Die Studenten an der TU Wien, Christian Szalay (Architektur) und Bernhard Ramsauer (Bauingenieur), bewiesen beim Entwurf ihres Projektes "inside out" Mut. Sie stellten die zwingende Vorgabe des Gleissystems in Frage. "Wir wollten den Ort verstehen, wissen wohin dieser künftig wachsen wird und wie wir mit dem Schallschutz umgehen", erklärt Planer Bernhard Ramsauer. Bei allen Varianten auf Basis der Vorgabe wäre der Bahnhof immer in Lärmschutzwände gehüllt und so ein Fremdkörper ohne Bezug zum Ort geblieben. So waren beide überzeugt, dass nur eine neue Gleislösung zu einem schlüssigen Konzept führen könnte. Die Gleise für lärmende Güter- und durchfahrende Schnellzüge wurden in die mittlere Spur, die Haltegleise und Bahnsteige nach außen verlegt. Die Lärmschutzwände schotten die Hochgeschwindigkeitstrasse von den Haltegleisen ab und fungieren für diese gleichzeitig als Vordach. Christian Szalay (Architekt): "Die Haltegleise sind nach außen offen und stellen so die Verbindung zum Ort her. Das gelang uns mit der Konzeption eines Schallschutzes, der keine Barriere darstellt, und neuer Gleisführung." So besticht das Projekt mit sehr sensiblen, wertvollen und raumplanerisch beachtlichen Lösungsansätzen. "Der Bahnhof wird in den Ort miteinbezogen und so ist "inside out" das einzige Projekt, das nicht nur Städtebau und Architektur, sondern auch Schallschutz und Statik gleichwertig zum Thema gemacht und ausgearbeitet hat", argumentiert die Jury die Kür zum Siegesprojekt. Das Team Szalay und Ramsauer erhielt dafür ein Preisgeld von 4.000 Euro.

Zweiter Platz "Zukunftsbahnhof Münchendorf" – Unterführung transformiert zur Brücke

Weil sie eine Unterführung unpraktisch und auch bedrohlich fanden, interpretierten die angehenden ArchitektInnen Mélanie Bouissiere, Bernd Hausegger und Theresa Reisenhofer mit dem künftigen Bauingenieur Stefan Leitner, alle TU Graz, diese als Brücke. Die Jury war von den hohen räumlichen Qualitäten, die dabei entstanden, besonders beeindruckt. Das Gelände für die Ankunfts- und Abfahrtshalle wurde abgesenkt, die Gleise über Brücken geführt. Damit entstand ein innovativer, lebendiger öffentlicher Raum als Treffpunkt und Aufenthaltszone. Sitzstufen und Rampen definieren eine künstliche Topografie. Mit der in den Stufen integrierten Beleuchtung werden faszinierende Licht- und Schattenspiele erzeugt. Empfohlen wird seitens der Jury jedoch die Prüfung des Lärmaufkommens in der Halle, das durch Befahren der brückenähnlichen Konstruktion durch die Hochgeschwindigkeitszüge entsteht, um das geschaffene Ambiente nicht zu beeinträchtigen. Das Team erhielt für den gelungenen Entwurf ein Preisgeld von 3.000 Euro.

Dritter Platz: "concrete waves" – crazy project, nice experience

Bei der Entwicklung der Bahnsteigüberdachung und Lärmschutzwand ließen sich die Architekturstudentinnen Eva Himmelbauer und Isabella Penthor mit Erasmusstudent Jakub Bielski (Bauingenieur) von den Bewegungen der Verkehrsteilnehmer und des Flusses inspirieren. Bis das Projekt abgabereif war, brachten die drei TU Wien-StudentInnen einen lehrreichen Prozess, mit unzähligen gebauten Projekten, hinter sich. "Crazy project, nice experience", war der kurze Kommentar dazu von Bielski. Die Jury attestiert dem Entwurf "sowohl bauingenieurstechnisch als auch architektonisch eine gute interdisziplinäre Leistung." Die Wellenbewegung zieht sich durch das ganze Projekt und wird auch mit der Lärmschutzwand in Fertigteilbauweise weitergeführt. Die Überdachung lässt natürliches Licht auf die Bahnsteige fluten, in den Stützen wurden Aussparungen für innovative Sitzgelegenheiten vorgesehen. Gegen Grund- und Hochwasser wurde die Unterführung als weiße Wanne vorgesehen und auch die Option eines mobilen Hochwasserschutzes eingeräumt. Zu überdenken sei die lang ausgefallene Rampe, so die Jury, sie hindere bei hoher Frequenz den Verkehrsfluss. Das Team erhielt dafür ein Preisgeld von 2.000 Euro.

Vier Anerkennungspreise vergeben

Die Jury hat entschieden, zusätzlich zu den drei Plätzen insgesamt vier Anerkennungspreise zu vergeben. Jedes Team erhält je 1.000 Euro. Darüber freuen darf sich das Team der TU Graz Alexander Freydl, Julian Gatterer (beide Architektur) und Laurin Hauser, Stefan Leitner (beide Bauingenieure) mit ihrem Projekt "KREUZ und QUER". Sie erarbeiteten mit Lösungen aus Scheiben und Trägern eine flexible Konstruktion. Das Team der TU Wien, Simon Hendrix, Marcus Paar (Architektur), Ilbey Islam Kumcu (Bauingenieur) punktet mit dem Projekt "Bahnhof-Radhof" und der Idee des im Bahnhofareal integrierten Radzentrums. Beeindruckend auch der Entwurf "Kathedrale der Moderne" des TU Wien-Teams Maximilian Keil, Nils Lütke, Thomas Petters (Architektur) und der Bauingenieurin Nora Sadlick. Sie transformierten die Leitschutzwand in die Bahnhofshalle und lösten sie dort wieder auf. Interessant der Vorschlag "Diamonds in the Sky" des TU Graz-Teams Alexander Ramminger, Alina Rejepava, Tatjana Schon (Architektur) und Stefan Leitner (Bauingenieur). Ein Konzept, das auf die Historie von Münchendorf als ehemaligen Standort für Diamantschleiferei und Textilproduktion Bezug nimmt und einen Kompromiss zwischen Optik und statischer Leistbarkeit schafft.

Fotodownload der Siegerprojekte: www.baidinger.eu

Realität bestätigt Vision der Concrete Student Trophy

Die Concrete Student Trophy ist eine Plattform, bei der sich Studierende der Fächer Architektur und Bauingenieurwesen austauschen und gezielt zusammenarbeiten. Eine große Herausforderung, wie Studenten und Professoren bestätigen. Dazu kommt die Konfrontation mit einer realen Bauaufgabe. "Bei der Entwicklung der Concrete Student Trophy vor zehn Jahren war unsere Vision, interdisziplinäre Teams würden bessere Ergebnisse kreieren und planen. Diese Vision wird jährlich von der Realität übertroffen", freut sich DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie. "Wenn Nachwuchstalente der Baubranche mit diesem Wettbewerb die Vorteile der interdisziplinären Zusammenarbeit erkennen, werden sie diese auch später in der Praxis weiterführen", ist Friembichler überzeugt.

Challenge der gemischten Teams

"Es ist eine Challenge im gemischten Team ein ganzes Projekt zu erarbeiten und es gibt wenige Wettbewerbe, wo Projekte mit den Studierenden weiterwachsen. Die Concrete Student Trophy macht es möglich. Denken wir nur an die Schwimminsel aus Beton an der neuen Donau", führte
Andreas Trummer, Ass. Professor der TU Graz, aus. "Jetzt müssen wir die Schlüsselfaktoren definieren, die zu einer besseren Qualität von Projekten beitragen und damit zum Erfolg eines Projektteams führen", sagte Iva Kovacic, Ass. Professorin TU Wien.

Juryvorsitzende Architektin Silja Tillner hob die hohe Qualität der eingereichten Projekte hervor und freute sich über den gestiegenen Anteil der Frauen in den Disziplinen Architektur und Bauingenieurwesen. "Wir haben mit den Wettbewerben der Concrete Student Trophy viel gelernt. Das ineinander übergreifende Arbeiten wird in den Studien immer selbstverständlicher. Das Leben ist interdisziplinär", sagte Prof. Josef Eberhardsteiner, Dekan für Bauingenieurwesen an der TU Wien. "Leider war unsere Gemeinde nur eine Modellvorgabe", bedauerte Münchendorfs Bürgermeister Josef Ehrenberger, dass keiner der entwickelten Entwürfe in seinem Ort umgesetzt werden wird.

Concrete Student Trophy 2015

Im Februar 2015 startet der neue Bewerb mit einer Ausschreibung zur Neugestaltung des Birnersteigs in Wien in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien. "Wenn die Projekte die Qualität halten, woran niemand zweifelt, dann haben wir damit bereits das vierte Bauwerk, das aus unseren Studentenwettbewerben hervorgeht", ist Friembichler überzeugt. Gebaut wurden bereits eine Fußgängerbrücke über den Wienfluss, eine Schwimminsel an der Neuen Donau und eine innovative Grill-Lounge für die Donauinsel, die aus einem gesonderten Studentenwettbewerb hervorging. "Einen besseren Start ins Berufsleben kann es kaum geben", ist Friembichler überzeugt.