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Das Statement einer Stadt – lebendige Räume

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Pflasterung führt unaufdringlich durch urbane Zonen

Öffentliche Räume sollen Flair ausstrahlen, für Besucher attraktiv sein, eine hohe Funktionalität aufweisen und für die Anrainer eine hohe Wohn- und Lebenszufriedenheit sichern. So ist die Wahl der Pflastersteine oder -platten eine der wichtigsten Entscheidungen für die Funktion aller Anforderungen. Kaum etwas ist schwieriger als die Gestaltung öffentlicher Räume. "Lange vernachlässigt, wird nun wieder die Bedeutung für die Gesellschaft, vor allem im urbanen Raum, erkannt", erklärt der stv. Geschäftsführer der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie, DI Sebastian Spaun, anlässlich des kürzlich stattgefundenen Expertenforums Beton zum Thema "Öffentlicher Raum – Gestaltung und Technologie" an der neuen Wirtschaftsuniversität Wien. Der WU-Campus, der neue Hauptbahnhof und die Seestadt Aspern zeigen, wie öffentliche Räume ihrer großen Bedeutung in der Wiener Stadtgestaltung gerecht werden.

Bmstr. Eduard Leichtfried, Vorstandsvorsitzender des Forums Qualitätspflaster: "Die junge Generation erobert öffentliche Räume als Aufenthaltsraum zurück und nützt Flächen anders. So werden diese völlig neu definiert." Unterschiedliche Materialien, Strukturen und Farben der Oberflächen gestalten Optik und Nutzung. Verändert sich zum Beispiel eine Fußgängerzone in eine Begegnungszone, so wird mit neuer Optik ein sanftes Signal dafür gesetzt. Für die hohe Belastung von Lieferverkehr, Ausfahrten von Feuerwehr oder Rettung werden spezielle Pflaster und Platten eingesetzt. Das gesamte Bauwerk muss dafür entsprechend dimensioniert werden.

Helle Pflaster schaffen durch ihre Reflexion auf Plätzen nachts mehr Sicherheit und verhindern tagsüber die Entstehung von Hitzeinseln. Rutschfeste Oberflächen beugen Unfällen vor. Kein Problem gibt es bei starken Regenfällen. Mit dichten oder wasserdurchlässigen Pflasterungen wird auf verschiedenste Anforderungen Rücksicht genommen. Blinde oder stark sehbehinderte Menschen können sich mit ihrem Pendelstock anhand gerillter, genoppter oder stark kontrastierender Pflaster und Platten selbstständig orientieren.

Lebendige Welt für Studierende

Am Campus der WU bildet der freie Raum mit der Architektur der Gebäude die Grundlage des studentischen Lebens. "Freiräume werden in der Planung allzu oft stiefmütterlich behandelt. Nicht so am Campus WU", zeigt sich Architektin Laura P. Spinadel als Vertreterin von BUSarchitektur & BOA büro für offensive aleatorik, erfreut. Unterschiedliche Formate,Farben und Oberflächenausführungen der Pflasterung bestimmen Grenzen und Übergänge einzelner Zonen und übernehmen die Wegeführung zu unterschiedlichen Nutzungen. Die Fußgänger- bzw. Anlieferungszone sowie Feuerwehrzufahrt sind in großflächigen, sandgestrahlten sowie, teils durch Diamantbürstung schmutzabweisenden, Betonplatten der Friedl Steinwerke ausgeführt. An der Hauptachse fungiert eine dunkelgraue Bänderung als Leitsystem. In der Umfahrungsschleife angelegte Fahrradabstellplätze sind in kleinteiligem Betonsteinpflaster – in unterschiedlichen Grautönen gefärbt – mit Rasenfuge ausgeführt. Eine 4.000 Quadratmeter große Sitzlandschaft "Stage" aus gefrästem Ortbeton mit einer Gesteinskörnung aus grünlichem Diabas steht im Zentrum des Campus. Weitere Plätze sind zum Beispiel "Expo", ein schattiger Aufenthaltsraum zum Lesen oder Relaxen, der aus Betonmauern und Gehwegplatten aus schwarz gefärbtem Sonderbeton gebildet wird. Oder "Patio", ein terrassenförmiger, mit hellen großformatigen Betonplatten ausgelegter Platz.

Wohnen im Umfeld zeitloser Ästhetik

Die Seestadt Aspern gehört wohl zu den aktuell spannendsten Stadtentwicklungen Europas. Neben der eindrucksvollen Konzeption mit "Work-Life-Balance" als Leitthema, ist die Gestaltung der Oberflächen und Plätze von zeitloser Ästhetik. "Der spannende Mix der Pflaster oder Platten ergibt Formgebung, Linienführung oder Farbakzente. Damit gewinnt das Umfeld an Bedeutung", weiß Ing. Stefan Weissenböck, Weissenböck Baustoffwerk. Reduzierte Geometrien und dezente Weiß-, Grau- oder Anthrazittöne erzeugen eine zeitlose, zurückhaltende Optik. Durch spezielle Verfahren bleibt die Farbe stabil in den Stein eingebunden und es wird eine sehr feine, aber griffige Oberfläche erreicht. Je nach Belastungssituation ist die Pflasterung flexibel anpassbar und hält auch sehr großen Lasten stand. Zu optischen und technischen Aspekten, wie die Tragfähigkeit des Materials, waren auch die wirtschaftlichen Parameter wichtiges Kriterium. Beispiel dafür sind ein flexibler, rascher Austausch einzelner Platten oder eine über den Standard hinaus hohe Frost-Tausalzbeständigkeit der eingesetzten Weissenböck Produkte.

Öffentliche Infrastruktur braucht hohe Sicherheit

Den neuen Wiener Hauptbahnhof werden künftig 145.000 Menschen pro Tag frequentieren. Daher ist eine offene, gut einsehbare Gestaltung, die auf alle Sicherheitsbedürfnisse Rücksicht nimmt, von enormer Bedeutung. "Einen öffentlichen Raum gestalten bedeutet die Kreation eines atmosphärisch anspruchsvollen Ambientes", weiß Architekt DI Dipl. TP Albert Wimmer. "Die Vorplätze dienen der Orientierung und Übersichtlichkeit mit klaren Bezügen zu Eingangssituationen und Hauptwegerelationen. So wird ein Gefühl der Sicherheit und Lebendigkeit erzeugt", erklärt Wimmer. Auf den Vorplätzen Nord (rund 18.000 m²) und Süd (rund 10.000 m²) sowie auf den Bahnsteigen (rund 20.000 m²) kommen dafür völlig neue Betonpflastersteine von Semmelrock zum Einsatz. Der Stein "Zug der Zeit", ein zertifiziertes Produkt, erfüllt Anforderungen an Erscheinungsbild, Leuchtdichtekontraste, Oberflächenschutz und -farben, Reinigungsmöglichkeiten und Belastbarkeit und verbindet Stadtquartiere.

Perfekte, wasserdurchlässige Lösung

In den letzten Jahrzehnten ist die Verkehrsbelastung enorm gestiegen. "Vor allem der steigende Schwerverkehrsanteil führt zu einer frühen Ermüdung von Pflasterflächen. Als klare Schadensverursacher haben wir die geringe Wasserdurchlässigkeit wie auch die zu geringe Verformungssteifigkeit der oberen ungebundenen Tragschichten festgestellt", so Ing. Peter Nowotny, Pflasterermeister und Sachverständiger. Ein speziell dafür entwickeltes Material ist Pflasterdrainbeton. Dieser wirkt in den oberen Tragschichten lastverteilend und ist zugleich wasserdurchlässig. Berechnungen der TU Wien ergaben darüber hinaus, dass mit dieser Innovation die Dicke des Oberbaus um ein Viertel reduziert werden kann. Es ist daher nur ein geringerer Aushub erforderlich und die Konstruktion wirtschaftlicher. Der Einbau erfolgt sehr rasch und während der Bauphase staubfrei.

Das Expertenforum Beton fand auf Initiative der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, dem Institut für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Forum Qualitätspflaster im September 2014 statt.

Forum Qualitätspflaster (FQP)

Das Forum Qualitätspflaster ist eine Qualitätsgemeinschaft für Flächengestaltung mit Pflastersteinen und Pflasterplatten und das einzige unabhängige Kompetenzzentrum für Planung, Beratung und Ausführung, das alle Gewerke in seinem Netzwerk vereint und so die Qualität des Gesamtbauwerks wesentlich verbessert.

Die Unterlagen zum Expertenforum "Öffentlicher Raum – Gestaltung und Technologie" stehen zum Download zur Verfügung unter: www.zement.at

Weitere Referenzberichte für Pflasterflächen finden sich auf: www.fqp.at