| Brückentragwerke aus Hochleistungsbeton ohne Abdichtung, Teil II (Bestandsaufnahme) | |
(Förderung durch BMVIT) Seit 1997 werden in Österreich initiiert durch ein BMVIT Straßenforschungsprojekt Brückentragwerke aus Hochleistungsbeton (HL-Beton) ohne Abdichtung ausgeführt. Die einzelnen Bauweisen erstrecken sich von Brücken, welche zur Gänze aus HL-Beton hergestellt werden, bis hin zur Ausbildung von Sandwichbauweisen (HL-Beton als 2. Lage auf Normalbeton in 1. Lage) mit oder ohne direkte Befahrbarkeit. Insgesamt wurden in Österreich bisher rund 25 Brückentragwerke aus HL-Beton ohne Abdichtung ausgeführt. ![]() Der Vorteil dieser Bauweise besteht in der besonders hohen Dichtheit des HL-Betons. Es ist daher von solchen Betonen eine hohe Dauerhaftigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen und chemischen Einwirkungen zu erwarten, soweit sie sachgerecht zusammengesetzt, hergestellt, verarbeitet und nachbehandelt wurden. Dadurch kann die Abdichtung von Brückentragwerken entfallen, die im Zuge des ersten Wartungs- bzw. Sanierungsintervalles im Regelfall unter hohem Kostenaufwand und massiver Verkehrsbeeinträchtigung erneuert werden muss. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden neun ausgewählte Brückentragwerke dahingehend untersucht, ob sie die hohen Erwartungen, die an sie gestellt wurden und werden, auch tatsächlich erfüllen. Die meisten der untersuchten Objekte sind Einfeldträger. Zwei Tragwerke sind Dreifeldträger, wobei bei einem durch entsprechende konstruktive Maßnahmen (verbundlose Vorspannung sowie Anheben der Tragwerksenden) das Tragwerk an der Oberseite nur Druckbeanspruchungen ausgesetzt wird. Die Bauwerke wurden auf Risse, Abplatzungen, Frostschäden, Spurrinnenbildung und andere optisch wahrnehmbare Schäden sowie Chlorideindringung und Karbonatisierung untersucht. Dabei konnte weder eine Beeinträchtigung der Tragsicherheit noch der Gebrauchstauglichkeit festgestellt werden. Die Bauwerke machen optisch einen guten Eindruck. Fallweise angetroffene Risse sind planungs- oder konstruktionsbedingt oder können auf eine nicht optimale Bauausführung zurückgeführt werden. Die Dauerhaftigkeit der Bauwerke ist durch sie nicht gefährdet. Die Oberflächen der direkt befahrbaren Tragwerke zeigten keinen Verschleiß, Spurrinnen konnten auch nicht andeutungsweise festgestellt werden. Die Anschlüsse zu den Fahrbahnübergängen waren bei allen Objekten in einem einwandfreien Zustand, ebenso die Abschlusskanten an den Tragwerksrändern. Der Baustoff HL-Beton erfüllt die an ihn gestellten Anforderungen bezüglich Dichtheit. Die Frost-Tausalz-Beständigkeit von HL-Beton ist ein oft diskutiertes Thema in Fachkreisen. Daher wird in Österreich die Verwendung von Hochleistungsbeton mit künstlichen Luftporen entsprechend Expositionsklasse XF4 der ÖNORM B 4710-1 empfohlen. Bei den untersuchten Tragwerken konnten keine Schäden festgestellt werden, die auf eine Zerstörung des Betongefüges infolge von Frost-Tau Wechsel, sei es nun mit oder ohne Tausalzbelastung, zurückzuführen sind. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Brückentragwerke aus Hochleistungsbeton ohne Abdichtung bewährt haben. Bei guter Zusammenarbeit von Planung und Ausführung lassen sich dauerhafte, dichte und verschleißfeste Tragwerksoberflächen (Fahrbahnen) herstellen. Ein besonders wesentliches Kriterium für die Dauerhaftigkeit ist die rechtzeitige und sachgemäße Nachbehandlung. Für Einfeldtragwerke ist die Bauweise uneingeschränkt einsetzbar. Bei Mehrfeldtragwerken können Risse im Stützenbereich durch Vorspannung, Stützensenkung bzw. Anheben der Tragwerksenden vermieden bzw. eingeschränkt werden. Jedenfalls ist die Rissweite bei der Planung durch den Planer beim Gebrauchstauglichkeitsnachweis auf zumindest 0,15 mm zu begrenzen. | |
| Forschungsstelle: | Forschungsinstitut der VÖZ (VÖZFI), Reisnerstr. 53, A- 1030 Wien |
| Projektpartner: | Verbundplan Prüf- und Messtechnik GmbH, Materialversuchsanstalt Strass, DI Dr. Wolfgang Lindlbauer, Ing. Herwig Handler |
| Stand: | veröffentlicht: BMVIT, Schritenreihe Straßenorschung, Heft 551/2005 |






